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Eine Zukunft ohne
RTL, ZDF und Sony Entertainment?
Online-Aktienhandel: Neuemissions-Aktien auch für Kleinanleger,
24-Stunden-Handel
Navigationshilfen: Wer braucht noch Yahoo!?
Internet-Aktien: Es geht wieder aufwärts

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Gut für Sie ist, wenn Sie bei einer Website engagiert sind, die Fernsehen,
Rundfunk oder Musik aufs Internet bringen will. Falls Sie dagegen Unternehmen
verbunden sind, die nichts anderes tun, als Rundfunk- und Fernsehsender zu
betreiben oder CDs und Videokassetten zu vertreiben – das ist schlecht für
Sie. Denn für diese sieht die Zukunft nicht rosig aus.
Bald wird das Internet die traditionellen Vertriebstechnologien ablösen:
TV, Radio, Musik, Videofilme, Anwendungs-Software, Telefongespräche,
Videotelephonie, Videokonferenzen – all dies wird in wenigen Jahren über
das Web zu den Kunden gelangen. Alte Übertragungstechnologien
wie Sendestationen, CDs und Kassetten wandern dorthin, wo sie hingehören –
ins Deutsche Museum. Und allen Unternehmen, die mit deren Betrieb bzw.
Vertrieb Geld verdienen, steht eine Achterbahnfahrt bevor.
Der nächste Trend nach E-Commerce ist “Breitband”. Breitband bedeutet:
Die technische Möglichkeit, auch datenintensive Medien über das Internet zu
vertreiben, zum Beispiel Filme, Bilder, Sprache und Musik. Von überall her,
mit geringem technischen Aufwand, nach überall hin, ohne physischen
Vertriebsapparat, den man selbst betreiben müsste, möglich für jedermann.
Mit Broadband, so der englische Begriff, lassen sich auch grosse Datenvolumen
so schnell übertragen, wie der Kunde es von herkömmlichen Medienträgern wie
TV, Radio und CD gewohnt ist.
Bisher ist das für normalsterbliche Internetnutzer kaum möglich: Alles,
was mehr als Text ist, ist schwer über das Internet zu übertragen. Ein Bild
sagt mehr als tausend Worte – nur ist die Datenmenge, die man braucht, um es
zu übertragen, leider auch tausend mal so groß. Die Uebertragungstechnologie, über welche die meisten Nutzer in
Deutschland verfügen, ist eine Telefonleitung und ein Modem oder eine ISDN-Karte,
die höchstens 56.000 Bit pro Sekunde übertragen können (7.000 Zeichen/Buchstaben).
Das ist wenig für Bilder – und viel zu wenig für Sprache und Musik, von
Videos ganz zu schweigen.
Aber das wird sich ändern: In den Vereinigten Staaten bieten die ersten
Telefongesellschaften Hochgeschwindigkeitszugänge zum Internet für Lieschen
Müller und Otto Normalverbraucher an. Diese Zugänge nutzen meistens das
sogenannte DSL-Verfahren. DSL steht für Digital Subscriber Loop (digitale
Abonnentenverbindung),und Sie können es sich als ISDN auf Steroiden
vorstellen. Wie ISDN nutzt es das herkömmliche Telefonkupferkabelnetz, und
wie bei diesem sorgt ein Kompressionsverfahren dafür, dass sehr große Datenmengen übertragen
werden können. Übertragungsraten von bis zu 8 Megabit haben Ingenieure im
Labor erreicht. Das bedeutet, dass eine Familie ihren gesamten
Multimediakonsum über eine solche Verbindung abwickeln kann: vom
Internetzugang übers Telefonieren und Musikhören bis zum Fernsehen.
DSL steht kurz vor dem Durchbruch in den Massenmarkt. AOL
plant, später im Jahr in Zusammenarbeit mit den Telefongesellschaften Bell
Atlantic und SBC DSL-Zugänge in 21 US-Bundesstaaten
anzubieten. Darüber hinaus bietet @Home
mit einer anderen Technik einen Hochgeschwindigkeitszugang über das
Kabelfernsehnetz an. Das Marktforschungsunternehmen VisionQuest
2000 schätzt, dass die Zahl der Nutzer mit DSL-Modems in den USA von
wenigen 10.000 im vergangenen Jahr auf 60 Millionen im Jahr 2001 wachsen wird,
die der Nutzer mit Kabelmodems auf 15 Millionen. Parallel wird die Zahl der
normalen Modems von über 60 Millionen im Jahr 1998 auf zirka 10 Millionen im
Jahr 2001 sinken.
Und selbst im verschlafenen Deutschland geht es voran: Die Deutsche
Telekom will im Juli diesen Jahres in mehr als 40 Orten DSL-Zugänge mit
Uebertragungsgeschwindigkeiten bis zu 6 Megabit anbieten. Für T-Online-Nutzer
geht’s mit 768 Kilobit pro Sekunde online. Der Preis: eine Grundgebühr von
99 Mark einschließlich 50 Freistunden im Monat, hinzu kommt die stündliche
T-Online-Gebühr jenseits der Freistunden. Bis 2003 sollen die Ballungszentren
versorgt sein. Wenn jetzt die Telekom noch das Taxameterprinzip abschaffen würde,
wäre das Angebot perfekt. Denn wollte man den T-Online-DSL-Zugang als
Standleitung nutzen, müsste man im Monat zusätzlich 670 Online-Stunden
bezahlen – oder rund 2400 Deutsche Mark. Da hat wohl jemand den Schuß nicht
gehört bei T-Online. Aber Wolfgang Keuntje, Chef von T-Online, hat gerade
erst bekräftigt, daß ein Pauschalmodell zur Zeit nicht zur Debatte steht.
AOL Deutschland will selbstverständlich
auch schnelle DSL-Zugänge anbieten, fürchtet aber, am ausgestreckten Arm der
Deutschen Telekom zu verhungern. Denn selbst im liberalisierten
Telekommunikationsmarkt hat die Telekom ein faktisches Monopol auf die
“letzte Meile” Kabel, die zu den Haushalten führt. So streitet denn AOL
Bertelsmann mit der Telekom darum, wie auch den AOL-Nutzer DSL-Zugänge
erhalten könnten.
DSL-Zugänge haben drei Vorteile: Sie sind schnell, jederzeit verfügbar
und billig (eine DSL-Verbindung ist eine Standleitung, man muss sich also
nicht mehr einwählen). Ich schreibe diesen Newsletter beispielsweise auf
einer Maschine mit einem DSL-Zugang der Telefongesellschaft Pacific
Bell – Daten gelangen mit einer Rate von 384 Kilobit pro Sekunde in
meinen Rechner. Und der Spass kostet mich nicht mehr als eine Pauschale von 49
Dollar im Monat, egal, wieviele Daten ich lade. Amerika, Du hast es besser, daß
wußte schon Goethe.
Diese Übertragungsleistung genügt bereits, um Musik und Radio zu hören.
Und das macht sich bemerkbar. Eine Studie von Arbitron
and Edison Research ergab, dass sich der Anteil der US-Bürger, die
Online-Radio hören, zwischen Juli 1998 und Februar 1999 von 6 auf 13 Prozent
mehr als verdoppelt hat.
Wie wär’s mit einer kleinen Kostprobe? Beispielsweise mit live
gesendeten Nachrichten von Bayern
5 Aktuell? Oder mit Klassik, Jazz, Country-Songs und Hiphop von Yahoo!
Radio? Viele
weitere Websender haben den Betrieb aufgenommen. Oder wie steht’s mit
Musik vom Web statt von der CD? Der führende Anbieter von Musik auf dem Web, mp3.com,
bietet alles an vom Mozart-Klavierkonzert bis zu Hiphop und Trance – alles
kostenlos! Hier finden Sie als extra Zuckerl die
populärsten Songs aus Deutschland. Selbst Videos lassen sich auf diese
Weise empfangen: Der wichtigste Anbieter ist broadcast.com,
der tausende von Videos bereithält: Wie wär’s als Kuriosum mit einem
kleinen Ausflug auf’s Münchener
Oktoberfest? Allerliebst! Und jetzt schunkeln alle mit! Ja, Sie bitte auch!
Unterm Strich steht: Massenhafter Breitbandzugang wird in zwei bis drei
Jahren verfügbar sein – und damit wird sich alles ändern: Für die Nutzer,
vor allem aber für die traditionellen Anbieter von Medien.
Die Eintrittsbarriere senkt sich dramatisch, und damit öffnet sich ein
weites Feld für kleine, pfiffige und aggressive Wettbewerber, die den
alteingesessenen, bequem gewordenen Medienkonzernen die Hölle heiß machen
werden. Die Medienwelt wird demokratisiert. Gestern war Pressefreiheit die
Freiheit desjenigen, der sich eine Druckerpresse oder einen Sender leisten
konnte. Morgen wird es jedermanns Freiheit sein, der einen Webserver und einen
Internetzugang betreiben kann.
Was brauche ich, um ein Medienunternehmen zu betreiben? Inhalte,
Produktionstechnik, Marketing und Distribution. Die Inhalte wird ein
begeisterter Website-Betreiber im Zweifelsfall orgineller und näher am Puls
der Zeit herstellen können als ein großer Konzern. Denn daß Sony Music und
andere Entertainmentkonzerne uns mit der Industrialisierung der Musikwelt unsäglich
langweilige und unoriginelle Popmusik verschafft haben, darin besteht wohl
weitgehende Einigkeit.
Was die Produktionstechnik betrifft: Was hindert mich heute noch daran, in
meinem Hobbykeller eine Runfunkstation zu eröffnen? Oder ein Musiklabel?
Nichts! Oder warum nicht gleich eine Fernsehproduktionsgesellschaft? Auf einer
RealNetworks-Konferenz, die kürzlich in
San Francisco stattfand, stellte eine Firma vor: Ein Web-Fernsehstudio
einschliesslich Kamera und Blackbox für 8000 US-Dollar.Voilá!
Für die meisten der Live-Angebote muß der Nutzer den RealPlayer von RealNetworks
laden und einrichten. RealNetworks ist der führende Hersteller sogenannter
Streaming-Technologie (= man kann den Anfang der Sendung schon hören, während
der Rest im Hintergrund geladen wird). Für Yahoo! Radio braucht’s nicht mal
das: Hier hören Sie Radio mit Hilfe eines Java-Applets, das Ihr Browser
selbsttätig lädt. Yahoo! erhält diese Technik von Spinner.com.
Pech nur für Yahoo!, dass AOL, einer von Yahoos größten Konkurrenten,
Spinner.com kürzlich für 400 Millionen Dollar in Aktien gekauft hat.
In der Welt der Musik lautet das Zauberwort “MP3”. Es ist ein
Dateiformat, mit dem sich Songs in guter Qualität und mit verhältnismäßig
geringer Datenmenge über das Web übertragen lassen – und zwar ohne
Kopierschutz. Theoretisch lassen sich so urheberrechtlich geschützte Stücke
von CD in MP3-Dateien spielen, die sich anschließend beliebig vervielfältigen
und vertreiben lassen. Mittlerweile hat sich eine riesige MP3-Untergrundszene
gebildet, welche die Technologie und die Kultur für den Massenmarkt
vorbereiten werden. Wie unerhört populär MP3 ist, zeigt die Tatsache, dass
der Suchbegriff “MP3” sogar das Wort “Sex” als den am häufigsten
eingegebenen Suchbegriff abgelöst hat (laut Searchterms.com).
Derweilen machen sich die “Big Five” Musikkonzerne in die Hosen (BMG
Music, EMI Group, Sony
Entertainment, Universal
Music, Warner Music Group). Kein Wunder:
Wenn sie die Kontrolle über den Vertrieb von Musik verlieren, können sie
auch kein Geld mehr verdienen. Die Konzerne, die heute noch 80% des
Weltmarktes beherrschen, versuchen deshalb, ein Anti-MP3-Verfahren einzuführen.
Es schränkt die Möglichkeiten der Kunden ein, Musikstücke zu kopieren und
übers Web zu übertragen. Diese Secure Digital Music Initiative (SDMI) soll
die Distribution von Musik über das Internet überwachen. Das geht gegen die
offene Natur des Webs an, wird scheitern und nur dazu führen, daß die
Konzerne Zeit verlieren werden. Anstatt auf verlorenem Posten zu kämpfen,
sollten sie in die Offensive gehen und das neue Potential des Internets nutzen,
um so neue Umsatzquellen zu erschließen.
Doch zurück zur Medienfirma in der Garage. Was der dann noch fehlt, ist
die Distribution. Doch für die Distribution sorgt das Internet – und zwar für
weltweite! Ein originelles Produkt distribuiert sich auf dem Web von selbst.
Und sobald genug Reichweite da ist, ist es auch kein Problem mehr, ein
kommerzielles Unternehmen zu gründen und Geld für echtes Marketing in die Hände
zu bekommen.
Wer braucht in zwanzig Jahren noch Plattenkonzerne? Traditionelle Rundfunk-
und Fernsehanstalten? Die gewaltigen Apparate, die solche Unternehmen
aufgebaut haben – niemand wird sie mehr brauchen.
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Dass Online-Brokerages die Top-E-Commerce-Sites auf dem
World Wide Web sind, ist nichts neues. So erfolgreich sind diese Websites, daß
die Medien in den Vereinigten Staaten bereits den Untergang der traditionellen
Wall-Street-Broker vorhersagen. Kleinanleger und Erstanleger stürzen sich
scharenweise auf das Online-Brokering, gelockt durch den einfachen Zugang und
niedrige Handelskosten. Hier ein paar neue Schnipsel aus dem Kampfgetümmel: Forrester
Research erwartet für Deutschland bis Ende 1999 rund 530.000 Kunden, die
online handeln, und bis zum Ende des Jahres 2002 bereits 3,8 Millionen Kunden.
Die Consors Discount-Brokerage, die
deutsche Pionierin des Online-Tradings, ist mit ihrem Börsengang flugs zur fünftgrößten
Bank Deutschlands avanciert. Und in den USA hat nun sogar das ehrwürdige Brokerhaus Merrill
Lynch angekündigt, dass es Discount-Trading auf dem Internet einführen
wird.
Am
Rande des Tumults gibt es zusätzlich einige interessante Neuerungen: Da ist
vor allem OpenIPO zu nennen.
Haben Sie als Kleinanleger auch die Erfahrung gemacht, daß Sie bei Börsengängen
so gut wie niemals Aktien bekommen, weil immer vorher die Grossanleger zum
Zuge kommen? Dass will OpenIPO ändern, eine Gründung des 63jährigen
Ex-Bankers Bill Hambrecht und seiner Firma WRHambrecht.
OpenIPO
bringt Firmen an die Börse, verteilt deren Aktien aber nach einem neuen
Verfahren. Lassen Sie mich das am Beispiel des Börsengangs des kleinen
Portals Salon.com erläutern, der vor
Kurzem stattgefunden hat. Zunächst legte OpenIPO zusammen mit Salon.com fest,
wieviele Aktien ausgegeben werden sollten: 2,5 Millionen Stück. Nun konnte
jeder bei OpenIPO registrierte Anleger für Aktien dieser Firma in einer
sogenannten holländischen Auktion bieten. Sie hätten beispielsweise 100 Stück
zu einem Preis von je 28 Dollar ordern können. Am Ende der Auktionsphase
bildet OpenIPO eine Liste aller Gebote, geordnet nach dem Orderpreis pro Aktie,
beginnend mit dem höchsten Gebot. Nun wird die Liste von oben nach unten
durchgegangen, bis alle angebotenen Aktien (in diesem Beispiel 2,5 Millionen)
vergeben sind. Jeder Bieter erhält die gewünschte Stückzahl – muss aber
nur den Preis desjenigen Bieters bezahlen, der als allerletzter noch in den
Kreis derjenigen Gebote gerutscht ist, die OpenIPO noch von den 2,5 Millionen
Aktien bedienen konnte. Im Beispiel von Salon.com waren das 10,50 Dollar. Sie
hätten also mit Ihrem Gebot 100 Salon.com-Aktien zu 10,50 Dollar anstatt 28
Dollar erhalten.
Das
bringt für alle Beteiligten Vorteile: Die Firma, die an die Börse will, erhält
tatsächlich das gesamte Kapital, das die Marktteilnehmer bereit sind, für
sie zu bezahlen. Bei normalen Börsengängen schätzt die abwickelnde Firma
mit der sogenannten Bookbuilding-Spanne, wieviel die Aktie wert ist. Der so
festgestellte Ausgabepreis entspricht oft nicht dem späteren Wert der Aktie
auf dem Markt. Deshalb oszilliert der Aktienkurs einer neuen Aktie nach dem Börsengang
oft wild auf und ab, bis er sich schließlich auf den wirklichen Wert
einpendelt. Diese Marktineffizienz beseitigt die holländische Auktion, und
das ist für alle Marktteilnehmer gut. Die Kleinanleger sind besser dran, weil
nach diesem Verfahren auch sie zu Aktien kommen und nicht bloß die Deutsche
Bank. Einziger Wermutstropfen für sie: Das OpenIPO-Verfahren zur Feststellung
des Aktienpreises führt näher an den späteren tatsächlichen Wert der Aktie
als die traditionelle Bookbuilding-Methode. Deshalb bleiben die phantastischen
Kurssprünge aus, die wir oft bei Hightech-Firmen gesehen haben. Zumindest
galt das für Salon.com, der Kurs
der Aktie schwankt seit der IPO nur leicht um den Emissionspreis von 10,50
Dollar.
Übrigens
können Sie OpenIPO auch von Deutschland aus nutzen. Sie müssen dort ein
Konto mit mindestens 2500 US-Dollar eröffnen und auf dem sogenannten
W-8-Formular bestätigen, daß Sie kein US-Büger sind und keine US-Steuern
bezahlen müssen – und schon kann’s losgehen.
Eine
ebenso interessante Neuerung: 24-Stunden-Aktienhandel. Haben Sie sich
auch schon mal darüber gewundert, warum Börsen immer nur dann geöffnet sind,
wenn normalsterbliche Anleger arbeiten müssen und keine Zeit haben, sich mit
Aktiengeschäften zu befassen? Die meisten Kleinanleger haben abends, nachts
und am Wochenende Zeit – wenn die Börsen geschlossen sind. Dabei gibt es
mit dem Internet technisch gesehen keinen Grund mehr, warum man nicht 24
Stunden am Tag an sieben Tagen der Woche Aktien handeln könnte.
Und
genau das tun in den Vereinigten Staaten die sogenannten Electronic
Communications Networks (ECNs). Diese E-Börsen ermöglichen den Handel von
Aktien auch dann, wenn die traditionellen Börsen bereits geschlossen sind.
Wie auf einem normalen Markt vergleichen sie die Orders von Käufern und Verkäufern
und führen sie aus, wenn die gewünschten Preise übereinstimmen. Die Heldin
auf der Bühne ist die Datek-Tochter Island.
Das Handelsvolumen und der -Umsatz des Newcomers entspricht bereits stolzen 10
Prozent des Handels der Hightech-Börse Nasdaq.
Bereits im Mai hatte die Nasdaq ihre Handelszeiten um einige Stunden verlängert,
um gegen die wachsende Beliebtheit der ECNs anzugehen. Die New
York Stock Exchange (NYSE) verschob dagegen Pläne für verlängerte
Handelszeiten auf das nächste Jahr. Island schneidet ebenso schmerzhaft in
den Marktanteil des Reuters-Unternehmens
Instinet. Instinet ist ein älteres ECN,
das bisher nur institutionelle Anleger bediente, aber bald auch Kleinanleger
als Kunden annehmen will.
Für
den deutschen Wertpapierhandel bedeutet das: Kein Stein bleibt mehr auf dem
anderen. Mehr und mehr Transaktionen werden die Anleger online, ohne Beratung
und billig ausführen. Dies wird scharf in das Fleisch traditioneller Broker
schneiden, die Kunden verlieren werden. Kleine, wendige, unabhängige Firmen
ohne Achtung vor den heiligen Kühen des deutschen Bankwesens werden das
Internet-Marktsegment beherrschen (zum Beispiel E-Trade Inc., der führende
US-Online-Broker, der bald nach Europa kommen wird). Oder aber Online-Dependancen
traditioneller Banken, die clever genug sind, Ihren Web-Ablegern viel Freiraum
zum Schlachten o. a. heiliger Kühe geben (etwa Consors
oder die Comdirect Bank). Ob die
anderen deutschen Banken da mithalten können? <seufz!> Die Dresdner
Bank bietet noch nicht einmal Internet-Banking an. Und wird es Innovationen
wie Island oder OpenIPO geben? Vermutlich schwerlich, solange Deutschland
nicht gründlich dereguliert wird.
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Im
Krieg der Navigationshilfen um die Nutzergunst hat sich plötzlich etwas verändert:
Eine technische Innovation bei den Suchmaschinen kann sich zur Bedrohung
Yahoos, des Lieblings aller Nutzer, entwickeln. Denn plötzlich gibt es eine
Search-Engine, die genauso gut, wenn nicht sogar besser ist als Yahoo!.
Viel
Gutes und Nützliches ist auf dem Web, doch gibt es kein zentrales Verzeichnis
dieser Angebote. Navigationshilfen sollen den Nutzer zu diesen Websites führen.
Ohne diese Tools geht auf dem Web fast nichts. Deshalb sind sie so außerordentlich
populär. Sie ziehen die meisten Besucher auf dem Web an, können die meisten
Seitenabrufe vorweisen und haben die größte Reichweite in der Internet-Nutzerschaft.
Das bedeutet gleichzeitig, dass sie die meisten Anzeigenumsätze erzielen. Die
beliebteste Navigationshilfe und eine der Sites mit dem größten
Anzeigenumsatz ist Yahoo!.
Navigationshilfen
fallen in zwei Untergruppen: die Verzeichnisse und die Suchmaschinen.
Verzeichnisse sind manuell zusammengestellte Kataloge von Websites, sie ähneln
darin Bibliothekskatalogen. Das prominenteste Verzeichnis ist Yahoo! (deutsche
Ausgabe: Yahoo! Deutschland, wichtigster
deutscher Konkurrent bei den Verzeichnissen ist Web.de).
Ihr Vorteil: Menschlicher Hirnschmalz sorgt dafür, daß der Nutzer das findet,
was er sucht. Suchen Sie auf Yahoo! etwa nach der DaimlerChrysler-Website, präsentiert
das Verzeichnis die Site brav an
erster Stelle der Suchergebnisliste. Nachteil eines Verzeichnisses:
Menschliche Arbeitskraft ist teuer, und deshalb kann Yahoo! schon lange nicht
mehr mit der Flut neuer Websites schritthalten. Verzeichnisse listen zwar die
meisten wesentlichen Websites, sind aber längst nicht vollständig.
Suchmaschinen
sind dagegen Software-Automaten, die selbsttätig das Internet nach Websites
durchsuchen und diese katalogisieren. Alle Worte, die auf einer Seite einer
Website vorkommen, werden in einen Volltextindex aufgenommen. Sucht der Nutzer
nun nach einem Begriff, listet eine Suchmaschine als Suchergebnis alle Seiten,
auf denen dieses Wort vorkommt. Vorteil: Die Indices von Suchmaschinen sind
vollständiger als die von Verzeichnissen. Nachteil: Ihre Suchergebnisse sind
in aller Regel lausig. Suchen Sie einmal auf der grössten deutschen
Searchengine, AltaVista, nach
DaimlerChrysler. Sie
erhalten fast 5000 Suchergebnisse. Die erste Erwähnung der
DaimlerChrysler-Website finden Sie als Ergebnis Nr. 37 auf Seite 3 der
Suchergebnisse -- und das ist nicht einmal die Titelseite der DaimlerChrysler-Site.
Suchmaschinen sind vollständig(er), aber oft nicht wesentlich.
Doch
das wird mit der Searchengine Google
anders: Der Neuling funktioniert genau so wie andere Suchmaschinen, wendet
aber beim Ordnen der Ergebnisse einen Kniff an: Wenn eine Website aufgenommen
wird, prüft Google, wie viele andere Websites auf diese Seite linken. Google
nimmt dies als Qualitätsaussage: Je mehr Sites auf diese Seite linken, desto
mehr Webmaster und Redakteure haben diese Seite offenbar für gut befunden,
und desto höher wird diese Seite in den Suchergebnissen eingeordnet.
Die
Qualität der Ergebnisse ist verblüffend. Testen Sie Google einige Zeit lang
gegen Yahoo! oder Yahoo! Deutschland. Es lohnt sich! Googles Ergebnisse sind
fast immer genauso gut wie Yahoos. Und für obskure Themen wie das Liebesleben
der bengalischen Tigerameise (nur ein Scherz!) bietet Google obendrein ebenso
hervorragende Ergebnisse – und bei diesen Themen muss Yahoo! passen. Yahoos
begrenzter Mitarbeiterstamm ist schon damit ausgelastet, zu den wesentlichen
Themen stets aktuelle Listen zu führen.
Damit
bietet Google sowohl die Vollständigkeit der Searchengine als auch die
Wesentlichkeit der Suchergebnisse von Yahoo! – und muß dafür nicht eine
Armee von Online-Bibliothekaren beschäftigen.
Die
Industrie hat schnell begriffen: Netscape
wird ihre “Netscape Search by Excite” mit einer Google-basierten Suche
ersetzen. Und im Juni hat Google die erste Runde Risikokapital in Höhe von 25
Million US-Dollar erhalten, in erster Linie von den renommierten
Venture-Capital-Firmen Kleiner Perkins Caufield
& Byers und Sequoia Capital.
Obendrein waren sich die prominenten Venture-Kapitalisten Michael Moritz von
Sequoia Capital und John Doerr von Kleiner Perkins Caufield & Byers nicht
zu schade, als Aufsichtsräte dem Google-Board beizutreten.
Yahoo!
und andere Verzeichnisse, aber auch Suchmaschinen, müssen sich auf den
Google-Angriff einstellen. Langfristig können sie durch Google und ähnliche
Suchmaschinen sowohl Reichweite als auch Anzeigenumsätze verlieren. Yahoo! muß
noch schneller rennen als bisher, um weiter vom Verzeichnis aus in andere
Bereiche zu diversifizieren.
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Wir
alle haben es monatelang mit ungläubigen Augen verfolgt: Der unerhörte
Aktienboom bei Internet-Aktien. Die Kurse stiegen und stiegen, und schon lange
hatten viele Firmenbewertungen, die sich aus den Aktienkursen ergaben, nichts
mehr mit deren kaufmännischen Ergebnissen zu tun.
Und
dann, Mitte April, passierte es: Der Crash der Internetaktien begann. Eine
Verkaufswelle sorgte dafür, dass die Internetwerte von Mitte April bis Mitte
Juni rund 25 Prozent ihres Werts verloren. Der Index
der Nasdaq-Börse, an der die meisten Internetwerte gehandelt werden,
verlor in dieser Zeit gut 20%, der Goldman-Sachs Internet Index über 20%, der
Internet-Index der
American Stock Exchange sogar 30%.
Alle
sind erleichtert: Irgendwann musste die Blase ja mal platzen, und nun hat man
es hinter sich. Nun scheint der Boden erreicht zu sein, es geht es wieder nach
oben. Die Zinsängste sind beruhigt, die Inflation bleibt niedrig, die
Konsumer-Zuversicht in den USA ist so hoch wie nie zuvor.
Hier
die wichtigsten Internet-Unternehmen, die der Crash beeinflusst hat und die
sich noch nicht wieder auf ihren Vor-Crash-Kurshöhen befinden. Vorausgesetzt,
ihre Kursverluste sind keine dauerhafte Wertberichtigung durch den Markt, könnten
diese Werte wieder das gleiche Niveau erreichen. Sie könnten sich dann als
Anlageziele eignen:
| Firma |
Industrie |
Kurs1 |
%
unter Wert vor Crash |
| @Home/Excite |
Portal/ISP |
55,50 |
-37% |
| Amazon |
E-Commerce |
127,00 |
-36% |
| E-Trade |
E-Commerce |
40,95 |
-34% |
| Doubleclick |
Advertising |
100,00 |
-33% |
| Ebay |
E-Commerce |
139,00 |
-31% |
| AOL |
E-Commerce |
121,50 |
-24% |
| Realnetworks |
Technologie |
93,50 |
-24% |
| EMC |
Technologie |
58,202 |
-15% |
| Yahoo! |
Portal |
182,00 |
-13% |
1
06. Juli, Frankfurt/Main, in Euro.
2
Berlin.
Nota
bene:
Weder ich noch die Brightheads PR & Marketing Consulting GmbH haften,
falls Sie aufgrund der o. a. Informationen Aktien kaufen oder verkaufen und
dabei Geld verlieren sollten. Geld in Aktien anzulegen, ist risikoreich. Noch
riskanter ist es, Geld in Internet-Aktien anzulegen. Sie müssen damit rechnen,
Ihr gesamtes Investment in Internetaktien zu verlieren, falls der Markt erneut
crashen sollte. Aktienanlage sollte langfristig betrieben werden.
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San
Francisco, 6. Juli 1999
Ihr
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