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Vergessen
Sie Amazon und E-Bay: Business-to-Business bringt das Geld
E-Commerce hat ein süßes kleines Geheimnis. Wer heute
von E-Commerce spricht, spricht von Amazon,
E-Bay, und Yahoo!,
also von Firmen, die Produkte an Verbraucher verkaufen. Das Geheimnis: Schon
heute erzeugt der Online-Handel zwischen Firmen (“business to business”
oder kurz “B2B”) rund dreimal soviel Umsatz wie der Handel zwischen
Firmen und Verbrauchern (“business to consumer”, “B2C”).
Sicher,
Online-Shops, die Bücher, CDs und Beanie Babies verkaufen, haben mehr Sex
als solche, die Industriewaagen, Kohle und Galvanisierungs-Lösungen an den
Menschen bringen. Aber letzteres ist, wo das Geld wirklich steckt. Das
Gesamtvolumen des E-Commerce-Umsatzes wird sich in den kommenden Jahren
vervielfachen, und der B2B-Umsatz wird im Verhältnis zum B2C-Umsatz noch
wachsen (Quelle: eMarketer, eGlobal
Report 1999).
Nach
Ansicht der Marktforscher von eMarketer wird der E-Commerce-Umsatz in Europa
zwischen 1999 und 2003 um mehr als den Faktor zwanzig steigen, und zwar von
geschätzten 16,8 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr auf 358 Milliarden
Dollar in gut vier Jahren. Obendrein werde der Anteil des
Business-to-Business-Handels daran von 75% auf 85% steigen: Der Umsatz in
diesem Bereich wird von 13,3 Milliarden Dollar auf 304,3 Milliarden wachsen.
Ihnen
wird es wie mir gehen: Diese absoluten Zahlen sagen mir rein gar nichts,
ausser, dass wohl ein starkes Wachstum zu erwarten ist. Tolle Sache, das!
Viel interessanter ist es schon, wenn man diesen Umsatz mit dem
Bruttosozialprodukt der Europäischen Union vergleicht, also mit deren
wirtschaftlichen Gesamtleistung (B2B-Umsätze: eMarketer, BSP-Zahlen für
1998, anschliessend Wachstum wie in 1998: CIA
World Fact Book).
Mehr
als drei Prozent der Wirtschaftsleistung der EU wird der Umsatz im
B2B-E-Commerce im Jahre 2003 betragen. Im vergangenen Jahr war er noch kaum
auf dem Radar erschienen. Der Grund des Wachstums: Der Anteil der
B2B-Transaktionen, den Unternehmen elektronisch abgewickeln, wird stark
steigen. Die Beratungsfirma KPMG hat in
einer Studie geschätzt, dass die europäischen Unternehmen im Jahre 2001
rund 10 Prozent aller ihrer Transaktionen untereinander elektronisch
abwickeln werden. Das Marktforschungsunternehmen Forrester
Research hat berechnet, dass dieser Anteil in den Vereinigten Staaten
1997 lediglich 0,2 Prozent betrug – er dürfte also heute in Europa kaum höher
liegen.
Der
Anstieg ist kein Wunder: Forrester schätzt, dass Firmen, die elektronische
B2B-Anwendungen einsetzen, 18 – 45% ihrer Kosten sparen können. Sie können
Waren schneller bestellen, sie billiger einkaufen, sie schneller ausliefern,
und Sachbearbeiter haben weniger Möglichkeiten, durch händische Eingaben
Fehler in den Warenfluss einzubauen. Doch was des einen Nachtigall ist, ist
des anderen Eule: Die Wirtschaftszeitschrift Capital
schätzte kürzlich, dass durch den Vormarsch von B2B in den kommenden zwei
Jahren mehr als 100.000 Artbeitsplätze in Deutschland verloren gehen würden.
Das Sparpotential durch B2B sah die Zeitschrift bei 4%.
Der
B2B Online-Umsatz wird jedoch nicht nur den B2C-Umsatz in den Schatten
stellen: Online-Anzeigen als Umsatzquelle - heute noch das erste, was jedem
zum Wort “Internet Business Model” einfällt - werden dramatisch an
Bedeutung verlieren, von Online-Abos ganz zu schweigen. Hier eine Schätzung
von Deloitte Research und Forrester
Research für die USA.
Besonders die sogenannten B2B-Portale sind ein Faktor des B2B-Siegeszuges
auf dem Internet. Sie sind eine brandneue Gattung von Websites: Sie widmen
sich einem bestimmten, scharf begrenzten Marktsegment, etwa Molkereiprodukten, Halbleitern oder Kleb- und
Dichtungsstoffen. Sie warten mit verschiedenen Mischungen auf aus Nachrichten,
Produktverkauf, Produktauktionen und Community-Anwendungen (also E-Mail,
Chat und schwarzen Brettern). Ein prominentes Beispiel für solche auch
“Vortex” genannte Sites ist Freemarkets,
eine Reverse-Auction-Site nach Priceline.com-Vorbild.
Potentielle Kunden veröffentlichen eine Liste mit den Produkten, die sie
brauchen, und potentielle Verkäufer konkurrieren um das Geschäft. Ein
weiteres interessantes Exempel ist VerticalNet,
Heimat von sage und schreibe 45 spezialisierten B2B-Miniportalen. Beide
Unternehmen verdienen Geld damit, dass sie einen Anteil von den Auktionsumsätzen
erhalten sowie Gebühren von Firmen, die ihre Produkte auf dem Portal
verkaufen wollen. Freemarkets beispielsweise konnte im vergangenen Jahr
Waren im Wert von rund einer Milliarde Dollar umsetzen und dabei einen
Umsatz in Höhe von 7,8 Millionen US-Dollar für sich selbst verbuchen.
B2B-Portale
sind chancenreiche Unternehmen: Mehr als 42% aller B2B-E-Commerce-Sites, die
mehr als drei Jahre online waren, schreiben schwarze Zahlen, so eine Studie
von Active Media . Weitere 19,3%
erwarten, innerhalb der nächsten zwölf Monate Gewinn zu machen, 9,1%
innerhalb von zwei Jahren, und 5% innerhalb von fünf Jahren. Nicht schlecht
für eine Industrie, in der gewöhnlich nur eine von zehn Ideen profitabel
wird.
Vorteil
der B2B-Portale für die Käufer: niedrigere Preise dank besserer Marktübersicht
und höherem Wettbewerbsdruck für die Verkäufer. Freemarkets-Chef und
Mitgründer Glen Meakem schätzt, dass die Produkte, die Kunden auf seiner
Site kaufen, rund 15 – 20% billiger sind als sonst üblich. Vorteil für
die Anbieter: Höherer Absatz und besserer Umsatz dank des erweiterten
Kundenkreises.
B2B-Portals
werden einen wesentlichen Anteil des B2B-Gesamtumsatzes im
E-Commerce-Bereich stellen (E-Commerce-B2B-Umsatz: eMarketer,
B2B-Portal-Umsatz: Keenan
Vision):
Was
bleibt unterm Strich? Ganz egal, wie stark der E-Commerce-Umsatz in den
kommenden Jahren sich ausdehnen wird: Mit B2B wird man fünfmal soviel Geld
verdienen wie mit B2C, Online-Anzeigen oder Online-Abos. Ein weites Feld für
neue Websites tut sich da auf, vom B2B-Portal bis zum B2B-Lösungsanbieter.
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