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Was kommt nach der Banner-Anzeige?
In diesem Monat feiert die Online-Banner-Anzeige
ihren fünften Geburtstag – aber wieviele Geburtstage wird sie noch
erleben? Für Websites sind sie zwar die Haupteinnahmequelle, doch den
Nutzer gehen sie auf die Nerven, und Anzeigenkunden halten ihren Effekt für
beschränkt. Nun sollen neue Werbeformen dem Banner den Garaus machen.
Gleichzeitig erfordern neue Internet-Zugangsmittel wie Notepads und Handys
neue Anzeigenformate, und Breitband-Internetzugänge ermöglichen
multimediale Online-Werbung.
Im Mittelpunkt der Diskussion steht die mangelnde
Wirksamkeit der Banner. Maßstab für die Effektivität von Online-Bannern
ist die sogenannte Click-Through-Rate. Sie gibt an, wieviele von
den Nutzern, die eine solche Anzeige gesehen haben, auch auf sie geklickt
haben, um die Website des Werbenden zu besuchen. In den letzten Jahren ist
diese Klickrate stetig gesunken. Als Hotwired
1994 die erste Banneranzeige laufen ließ, lag die Klickrate noch bei 10%.
Im Folgejahr lag sie zwischen 2 und 3%, und mittlerweile ist sie in den
USA auf einem Niveau von nur 0,6 Prozent gelandet. Mit anderen Worten: Von
1000 Nutzern, die eine Banneranzeige sehen, klicken im Durchschnitt nur 6
auf das Banner, um zur Website des Inserenten zu gelangen. Und der Anteil
der Nutzer, die sich niemals eine Banneranzeige ansehen, ist von 39% 1997
auf 49% im vergangenen Jahr gestiegen (Quelle: eMarketer,
eAdvertising Report).
Kein besonders berauschendes Ergebnis für Marketeers
– vor allem, wenn sie es mit dem Effekt von Fernsehwerbung vergleichen.
Zwar fand Millward Brown
heraus, dass sich Banner-Anzeigen mit Fernsehwerbung messen können, wenn
es darum geht, wieviele Verbraucher sich an eine Werbung erinnern (12% im
Vergleich zu 10%). Doch sind sich alle Beteiligten darin einig, dass
TV-Werbung einen wesentlich größeren emotionalen Tiefgang hat. Jeder Über-30-jährige
erinnert sich an Klementine, den Eduscho-Mann und den Gilb – also
TV-Werbung, die 30 Jahre alt ist. Aber können Sie sich auch nur an eine
Online-Anzeige erinnern, die sie vergangenen Monat gesehen haben? --
Berichten Sie mir von Ihren Erfahrungen und schreiben Sie an sfnewsletter@weide.com!
Kein Wunder, dass sich die Anzeigenkunden nach
anderen Möglichkeiten umsehen. Eine Studie des Marktforschungsinstituts Forrester
Research ergab zwar, dass für 89 Prozent aller Anzeigenkunden das
Banner immer noch die wichtigste Form der Online-Werbung ist. Doch nur 3,2
Prozent fanden, dass es ein wirksames Mittel ist, um Webnutzer auf ihre
Websites zu bringen. “[Die Wirksamkeit eines] Banners ist irgendwo
anzusiedeln zwischen Rabattmarken und den Visitenkarten von Prostituierten
in Londoner Telefonzellen, und deshalb kommt es zum Niedergang der
Klickrate”, so etwa der Creative Director einer Webagentur in San
Francisco, der lieber anonym bleiben wollte.
Hier eine Schätzung von eMarketer,
wie sich der Kuchen des Anzeigenumsatzes 1998 verteilte, und wie es im
Jahr 2001 aussehen wird:
|
1998 |
2001 |
| Banner |
52% |
26% |
| Sponsorships |
40% |
58% |
| Interstitials |
3% |
6% |
| Andere |
5% |
- |
| Neues Format |
- |
10% |
Eine Hauptrolle spielen also schon heute die
sogenannten Sponsorships, und ihre Bedeutung wird noch
zunehmen. Hier zahlt der Anzeigenkunde einen Festbetrag an eine Website,
die einen bestimmten redaktionellen Bereich mit einem kleinen Firmenlogo
kennzeichnet als “präsentiert von ____________________”
(hier bitte Namen des Sponsors eintragen).
Alle Beteiligten sind glücklich mit den Sponsorships.
Die Anwender, weil die Website nach wie vor kostenlos ist, das Logo
schneller lädt als ein Banner und die Werbung, die sie finanziert, sich
hier weniger aufdrängt. Die Werbetreibenden, weil Sponsorships billiger sind als normale Online-Werbung und sich
besser auf Zielgruppen einrichten lässt. Obendrein verschaffen sie dem
Werbenden den Ruf des Wohltäters, der Gutes tut (Journalismus finanziert),
ohne eine direkte Gegenleistung zu erwarten (Klicks). Die
Website-Betreiber schließlich freuen sich, weil sich beide ihrer
Kundenkreise freuen und sie immer noch Umsatz einfahren. Doch lässt sich
nicht bestreiten, dass Sponsorships einen weiteren Stein aus der
Chinesischen Mauer brechen, die Redaktionen vom Anzeigenverkauf trennt, um
die Unabhängigkeit der Berichterstattung zu gewährleisten.
Zu einer neuen Kunstform haben die Firmen iSyndicate
und 24/7 Media die Sponsorship entwickelt.
24/7 Media ist eines der führenden Anzeigennetzwerke auf dem Web;
ISyndicate sammelt Inhalte von Content-Produzenten und lizenziert
sie an Websites. (Einzelheiten zu iSyndicates Geschäftsmodell finden Sie
in Newsfeeds
aus dem Content-Automaten, San Francisco Newsletter, Ausgabe Oktober
1999.)
Listig haben die beiden Firmen ihre Geschäftsmodelle
verschmolzen, um Sponsorships an den Menschen zu bringen.
ISyndicates Inhalte-Produzenten stellen den Content zur Verfügung,
24/7 Media verkauft ihn an Sponsoren, und beide zusammen bieten dieses
Paket Websites an. Diese erhalten Geld dafür, dass sie diese Sponsorship-Inhalte-Pakete
veröffentlichen.
Doch was kommt nach Banner und Sponsorship? Ein
erster Schritt weg von herkömmlichen Online-Bannern könnten die
sogenannten Rich-Media-Anzeigen sein. Hier setzen
Anzeigenkunden meist Java und Shockwave
ein, um im herkömmlichen Banner-Anzeigenplatz bessere Animationen
unterzubringen, Klänge und Musik sowie E-Commerce-Anwendungen. Ihre
Vorteile: Ein höherer Aufmerksamkeitsgrad bei den Anwendern sowie bessere
Klickraten. The Aberdeen Group
ermittelte 1998 in einem Versuch eine Klickrate von zwischen 4 und 15% für
Rich-Media-Anzeigen im Vergleich zu 1,5% bei Bannern.
Ihre Nachteile: Weil Rich-Media-Anzeigen größere
Datenmengen voraussetzen, braucht es auch mehr Zeit, sie zu laden. Für
manche Anzeigen muss der Anwender obendrein vorher entsprechende Plugins
(Browser-Zusatzsoftware) laden und einrichten. Beides verringert die
Reichweite solcher Werbung und könnte obendrein Nutzer verärgern,
anstatt den gewünschten Werbeeffekt zu haben.
Das
ist der Grund, warum viele Websites keine Rich-Media-Werbung
annehmen. Sie würden dies ihren Kunden selbstverständlich liebend gern
anbieten – doch sie wissen, dass das Internet zu langsam für sie ist
und dass viele Browser die für solche Anzeigen nötige Technik nicht
unterstützen. Beispiel Yahoo!: Das Portal nimmt Rich-Media-Anzeigen
nur von Fall zu Fall an und macht dies abhängig von der eingesetzen
Technik: HTML-, Javascript- und JPEG-Anzeigen sind OK, doch Flash-,
Enliven- und Intervu-Anzeigen läßt Yahoo! nur in bestimmten Bereichen
der Site zu. Shockwave-Anzeigen lehnt das Portal grundsätzlich ab.
Rich-Media-Anzeigen sind außerdem aufwändiger
und teurer herzustellen – doch gleicht die höhere Wirksamkeit die
Zusatzkosten aus. Eine Untersuchung von InterVu
ergab zwar, dass es 50% mehr kostet, Rich-Media-Anzeigen zu
produzieren. Ihre Klickrate liegt aber um soviel höher als die von
Banner-Anzeigen, dass die Kosten pro Klick nur ein Viertel dessen
betragen, was Werbetreibende bei Bannern bezahlen.
Laut The Aberdeen Group wird es freilich noch ein
Weilchen dauern, bis Rich-Media-Werbung abhebt. Zwar hat sich ihr
Anteil seit Anfang 1998 verdoppelt – allerdings auf einem sehr niedrigen
Niveau, nämlich von 0,125% aller Online-Anzeigen auf 0,5%. Und selbst für
das Jahr 2002 rechnen die Analysten nur mit einem Anteil von 5%.
Eine radikaleres neue Anzeigenformat sind die Interstitials.
Dies sind extra Fenster mit einer Werbebotschaft, die sich öffnen,
wenn man eine bestimmte Web-Seite lädt. Früher eine geächtete, weil störende
Werbeform, die nur auf Porno-Websites zu finden war, findet sie sich in
den Vereinigten Staaten zunehmend auch auf Nicht-Sex-Websites.
Interstitials erlauben dem Anwender immerhin,
mit einem einfachen doppelten Mausklick oder einem [Strg] + [F4]
–Tastenkürzel zur Arbeit zurückzukehren. Deshalb sind sie auch nicht
ganz so ungeliebt wie Middlepages: Lediglich 55% aller Nutzer
klicken niemals auf sie (Northstar Interactive). Sie haben außerdem
bessere Erinnerungswerte: Die oben genannte Millward-Brown-Studie fand
heraus, dass sich 25% aller Anwender an die Werbebotschaft von Interstitials
erinnern können (Banner: 12%, TV: 10%). Eine Studie von Ipsos-ASI
kam zu einem ähnliche Ergebnis: Dort konnten sich nur 16% der Nutzer an
die Werbebotschaft eines Banners erinnern, doch bei Interstitials
wuchs dieser Anteil auf 33%.
Allerdings haben auch Interstitials den
Nachteil, dass sie viel Zeit zum Laden brauchen. Doch dieses Problems nimmt sich jetzt die Firma Unicast
an: Sie hat das sogenannte Superstitial entwickelt.
Zwar ist es auch hier ein extra Fenster, dass sich öffnet. Doch lädt der
Webbrowser zunächst die Seite, die man eigentlich sehen will. Die Daten für
die Werbung beginnt er erst anschließend im Hintergrund zu laden, während
der Nutzer schon die Seite liest. Mit einem 28-8-Modem dauert das Laden der Werbung zwischen 30 und
60 Sekunden. Erst wenn alle Daten abgerufen sind, öffnet die Site das
Fenster mit der Anzeige. Verlässt der Anwender die entsprechende Seite
vorher, bricht der Browser das Laden des Superstitials ab, ohne den
Arbeitsfluss des Nutzers zu stören.
Damit
kann eine Site Rich-Media-Anzeigen senden, ohne den Nutzer zu stören.
Große US-Online-Mediaagenturen wie Adsmart,
DoubleClick, Flycast
und NetGravity haben bereits
Abkommen mit Unicast geschlossen, um die neue Technik nutzen zu können.
Werbung, die dem ähnelt, was wir aus dem Fernsehen,
dem Kino und dem Radio kennen, wird erst kommen, wenn eine größere Zahl
von Nutzern über schnelle Zugänge zum Internet verfügt. Doch das könnte
schon mittelfristig eintreten (siehe Eine
Zukunft ohne RTL, ZDF und Sony Entertainment?, San Francisco
Newsletter, Juli 1999). Nach
einer Untersuchung von Forrester
Research werden im Jahr 2004 immerhin ein Viertel aller Surfer über
schnelle Zugänge verfügen.
Dann würden Videoclips, Musik und Sprache auch in
Online-Werbung einsetzbar sein. Schon schalten Werbekunden erste
Breitband-Anzeigen: Excite/AtHome hat Unilever
(Hersteller von Produkten wie Rama, Bifi und Omo) dafür gewonnen,
Breitband-Anzeigen auf der US-Ausgabe von Excite laufen zu lassen. Der
Excite-Teil des Unternehmens betreibt das Portal, und der At-Home-Teil
betreibt ein Zwei-Wege-Fernsehkabelnetz, mit dem Abonnenten Web-Seiten mit
hoher Geschwindigkeit laden können.
AtHome,
Intel und das
Marktforschungsunternehmen Ipsos-ASI
haben in einem Test untersucht, wie sich Breitband-Werbung auf die
Wahrnehmung der Verbraucher auswirkt. Teilnehmer waren Anzeigenkunden wie
AT&T, Bank of America, First USA, Intel, Levi Strauss & Co. und
Toys “R” Us. Die Ergebnisse: Die Anwender erinnerten sich besser an
Markennamen, sie beschäftigten sich länger mit der Werbung, und die
Kosten pro Brand Impression waren niedriger als bei Banner-Werbung.
Ein
anderer Trend wird, paradox, nicht medial aufwändigere, sondern einfachere
Anzeigen
als Banner-Werbung erfordern. In einigen Jahren wird für die Mehrzahl der
Nutzer nicht der PC Zugangsmittel zum Web sein, sondern Internet
Appliances mit drahtlosem Internet-Zugang wie Handys, Organizer
und Pager (Drahtloses
Internet und der Tod des PC, San Francisco Newsletter, Ausgabe August
1999).
Hier werden sich neue Möglichkeiten zur Verbreitung
von Werbung ergeben. Die Schwierigkeit ist nur: Internet Appliances
werden noch für einige Zeit kleinere und schlechtere Displays als PCs
haben. Die Darstellungsfläche dieser Displays ist kleiner, obendrein ist
ihre Auflösung geringer (sie können weniger Bildpunkte pro Quadratzoll
darstellen, also weniger Informationen), und oft können sie Bilder nur in
schwarz-weiß darstellen. Dies wird sich erst mit besseren und
gleichzeitig billigeren Displays ändern. Ein Durchbruch wird kommen, wenn
elektronisches Papier eingeführt wird (siehe Elektronisches Papier: das Web in Straßenbahn, Badewanne
und Rucksack, San Francisco Newsletter, Ausgabe November
1999).
Hinzu kommt, dass die Geschwindigkeit, mit der Internet
Appliances Daten per Funk übertragen, vorläufig nur so schnell ist
wie mit einem 9600-bps-Modem. Das ist nur rund ein Sechstel der
Transferrate der heute üblichen 56k-PC-Modems, zu wenig, um große
Grafiken oder gar Videos zu übertragen. Der neue UMTS-Mobilfunkstandard
wird Internet Appliances zwar in einigen Jahren Breitbandfähigkeiten
mit hohen Datentransferraten verleihen. Doch bis solche Zugangsgeräte
massenhafte verbreitet sind, wird noch einiges Wasser unter der Golden
Gate Bridge hindurchfließen. Was bleibt: Anzeigen für diese Zugangsgeräte
müssen noch kleiner sein als Banner-Anzeigen, und das gilt sowohl für
ihr Format als auch für ihre Dateigröße.
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